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Hochfest der Geburt des Herrn 

Sr. M. Anita Morcinek

Vor ein paar Jahren war ich in einer Christmette in einer alten, kleinen Kirche. Ich bin bewusst zeitig gekommen, um innerlich zur Ruhe zu kommen, mich zu besinnen und mich auf die feierliche Messe einzustimmen. Ich habe mir eine stille, ruhige Kirche mit einer schönen und liebevoll dekorierten Krippe gewünscht. Es war jedoch alles anders als ich mir vorgestellt habe. Eine Schola machte im Kirchenchor noch eine Probe und der Dirigent gab laut die letzten Anweisungen, eine Blasenorchester stimmte auf der Empore ihre Instrumente, der Küster besserte nochmal die Stellung der Figuren in der Krippe nach und suchte nach den richtigen Kerzen. Die Menschen liefen hin und hier, unterhielten sich und achteten nicht auf die ersten, wenigen Kirchenbesucher, die sich nach der stimmungsvollen Atmosphäre sehnten. Es war laut, hektisch und überhaupt nicht „weihnachtlich“ für mich. Zuerst war ich total enttäuscht und traurig, denn so habe ich mir den Abend nicht vorgestellt. Später kam mir der Gedanke, dass es in der Nacht der Geburt Jesu nicht anders sein müsste. Das Leben in Bethlehem nahm seinen normalen Lauf, Menschen kümmerten sich um ihre Probleme und beschäftigten sich mit ihren täglichen Aufgaben. Keinem ist eine fremde, hochschwangere Frau aufgefallen, da es so viele Menschen in dieser Zeit unterwegs waren, und wenn schon, dann wollte er mit ihr nichts zu tun haben, um sich die möglichen Probleme zu ersparen. Es war hektisch, laut und überhaupt nicht „weihnachtlich“ in der Stadt Bethlehem und in seiner Umgebung. Mir wurde klar, dass das Weihnachten geschieht eigentlich jeden Tag. Es geht einfach darum, Gott in meinem Alltag aufzuspüren, dort wo ich ihn am Wenigsten erwarte, ihn in den Momenten zu begegnen, wo es für mich am Wenigsten passt. Er ist immer da, verborgen in meinem Alltag, und lädt mich unablässig ein zu einer innigen Begegnung mit ihm. Bin ich bereit mich  auf diese Einladung einzulassen?