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 »Jesus will keine Bewunderer,

er braucht Nachfolger«,

Schwester Andrea

Liebe Leserinnen und Leser,

An diesem Sonntag lesen wir in der alttestamentlichen Lesung (1 Kön 19,16b.19–21)  eine Berufungsgeschichte. Der Prophet Elija sucht und findet einen Nachfolger, den Elischa. Er wirft seinen Mantel über ihn, eine traditionelle Geste, mit der damals in Israel ein Lehrer-Schüler-Verhältnis begründet wurde. Und Elischa, ein reicher Bauer, ist auch bereit, sein bisheriges Leben aufzugeben und Prophetenschüler zu werden. Aber er stellt die Bedingung, dass er zuerst seine Angelegenheiten ordnen, sich von seinen Eltern verabschieden und sogar noch ein Abschiedsmahl für seine Landarbeiter zubereiten darf. Danach schließt er sich dem Elija an, schaut nicht mehr zurück und wird Prophet.

Diese Geschichte passt recht gut zum heutigen Evangelium, das auch von Berufung, Jüngerschaft und Nachfolge handelt. Aber Jesus reagiert anders als Elija. Wenn er Jesus einen Mann in seinen Jüngerkreis aufnehmen möchte, spricht zu ihm: „Folge mir!“. der Mann ist grundsätzlich dazu bereit. Doch zuerst möchte er seinen gerade verstorbenen Vater begraben. Ein anderer Mann, der ebenfalls aufgerufen wurde, möchte zunächst Abschied von seiner Familie nehmen. Und Jesus? Er lässt es nicht zu, dass diese Leute in einer geordneten Art und Weise ihr altes Leben abschließen, ehe sie ein neues beginnen.

Warum Jesus so hart reagiert und sagt: „Lass die Toten ihre Toten begraben“ und: „Keiner, der die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, taugt für das Reich Gottes.“

Die Bibel ist voller Lehr- und Weisheitsgeschichten. Jesus hat selbst viele solcher Geschichten erzählt – wir nennen sie meist Gleichnisse, Geschichten, die einen Sachverhalt ganz knapp und oft überspitzt auf den Punkt bringen. Und auch über Jesus werden solche Geschichten erzählt. So wie heute im Evangelium. Auch diese Erzählungen sind manchmal überspitzt, damit den Zuhörern die Aussage, die Pointe, sozusagen die „Moral von der Geschichte“ ganz klar wird. Das ist der Schlüssel zum Verständnis der Jesus-Aussage: „Keiner, der die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, taugt für das Reich Gottes.“


In heutiges  Evangelium geht um Berufung und Nachfolge. Nachfolge betrifft und fordert den ganzen Menschen. Wer Jünger oder Jüngerin werden will, muss bereit sein, sich aus alten Bindungen und Sicherheiten zu lösen. Wer bedauernd zurückblickt, der ist nicht geeignet, das Reich Gottes mit aufzubauen. Denn er ist mit dem Herzen mindestens zur Hälfte noch bei seinem alten Leben, bei allen möglichen Verpflichtungen – er ist zerrissen und wird, wenn es ganz schlimm kommt, an der neuen Aufgabe zugrunde gehen. Also ist Entscheidung gefordert. Jesus bietet ein neues Leben an. Wer das Angebot annehmen will, muss dies aus ganzem Herzen tun.

Christsein bedeutet: Aus ganzem Herzen Ja sagen – „Ja, Herr, ich glaube“ – und dieses Ja auch konsequent zu leben. Christsein in Teilzeit ist nicht möglich.