Die Schwestern Mägde Mariens v. d. Unbefleckten Empfängnis

Im Dienst für den Menschen

Gestern – heute – morgen

St. Elisabeth - Patronin der Ordensprovinz Regina Mundi

Gott, segne unsere Gemeinschaft.

Meine Hände mögen segnen, was sie anfassen.

Meine Ohren mögen segnen, was sie hören.

Meine Augen mögen segnen, was ihnen begegnet.

Mein Mund möge segnen mit jedem Wort.

Meine Mitmenschen segne ich, und sie mögen mich segnen.

Lass mich nicht aus den Augen, mein Gott.

aus deinen Händen,

aus deinem Ohr, aus deinem Herzen,

an diesem Tag und alle Tage, die kommen. Amen.

33. Sonntag im Jahreskreis

Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener.

Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen,

ich will dir eine große Aufgabe übertragen.

Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! Mt 25, 21

SPIEGLEIN, SPIEGLEIN…

Immer wieder vergleichen wir: Banknoten, Häuser, Autos,

Erfolg und Ansehnlichkeit – auch unserer Freunde und Kinder!

Was für ein Wahnsinn: Fruchtlos und im Wortsinn beklemmend!

Können wir nicht anders oder wollen wir nicht?

Jesus hat eine andere Sicht auf unsere Talente.

Doch sind die ungleichen Beträge nicht Freibrief für Ungleichheit?

Nicht Freibrief, sondern BEFREIUNG!

All die Unterschiede, die wir hochspielen, spielen vor Gott keine Rolle!

Denn vor Gott und von Gott sind wir alle HOCHBEGABT.

Dorothee Sandherr-Klemp

26. Sonntag im Jahreskreis

 

IM SPIEGEL

Zwei Söhne, beide zur Arbeit in den Weinberg des Vaters gerufen:

Der eine reagiert devot, ist selbstverständlich bereit

– und bewegt sich nicht vom Fleck!

Der andere verweigert sich, kommentarlos. „Ich will nicht.“

Doch dann besinnt er sich, spuckt in die Hände und geht an die Arbeit.

Wer hat nun den Willen des Vaters getan?

Und wem gleichen wir? Was meint ihr?

Dorothee Sandherr-Klemp

Erntedank

DANK

Wir sind dankbar für all die GUTEN DINGE,

welche die Natur wachsen und reifen ließ:

Die Äpfel, die Birnen, die Trauben. Sie erfrischen uns,

sie beruhigen uns, sie versorgen uns mit Vitaminen.

Das KORN, aus dem BROT gewonnen wird, es nährt und stärkt uns,

es schmeckt und weckt die Lust am Leben.

Das GEMÜSE und die FRÜCHTE mit ihren herrlichen Farben,

sie halten uns fit und tun uns wohl. Wir sind dankbar für all die GUTEN DINGE,

welche die menschliche Arbeit zustande brachte:

Das wohnliche ZUHAUSE, das ESSEN auf dem Tisch

und das GELD, von dem wir leben können. Das brauchen wir.

Die TECHNIK, die unseren Alltag erleichtert und uns bei der Verständigung

von Mensch zu Mensch behilflich ist.

Die KUNST und die KULTUR. Sie zeigen die Werte auf,

sie verhelfen zur Orientierung und zu einem friedvollen Zusammenleben.

Wir sind dankbar für all die GUTEN DINGE, welche Gott werden ließ:

Die BIBEL und die FROHE BOTSCHAFT, die uns befreit

und uns den Weg zum echten, ewigen Leben weist.

Die TAUFE, die wir empfangen haben.

Sie ist das Siegel der immerwährenden GÜTE GOTTES in unserem Leben.

Die VERGEBUNG und die VERSÖHNUNG, die unter uns Christen möglich ist.

Wir dürfen eine große Familie, die Gemeinschaft der KINDER GOTTES sein.

24. Sonntag im Jahreskreis

Ein neues Gebot gebe ich euch: Wie ich euch geliebt habe,

so sollt auch ihr einander lieben. Joh 13,34

SIEBENUNDSIEBZIGMAL zu Mt 18,21–35

VERGEBUNG ist frei, so frei wie diese hohe, heilige Zahl.

VERGEBEN heißt nicht verharmlosen, verdrängen: „War ja nicht so schlimm!“

VERGEBUNG setzt Abstand voraus.

VERGEBUNG setzt Freiheit voraus,die Freiheit zu wählen.

Der Wille zu vergeben muss wachsen können, frei von seelischem Druck.

Es darf keinen Zwang zum Vergeben geben: Vergebung ist ein Geschenk!

Dann ist VERGEBUNG nicht vergebens.

Dann wird VERGEBUNG befreien: den Menschen, dem vergeben wird

– und den, der von ganzem Herzen vergibt.

Dorothee Sandherr-Klemp

Maria

Selig bist du, Jungfrau Maria, und allen Lobes überaus würdig.

Denn aus dir ging hervor die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott.

MARIA DU STERN DER MEERE

zeig uns den Weg in der Unendlichkeit des Lebens

in der Weite der Verlorenheit

behüte uns wenn Dunkelheit uns umfängt

der Sturm hereinbricht

die Wellen ins Boot schlagen

tröste uns wenn wir einsam

und sei bei uns wenn wir uns ängstigen

ermutige uns wenn uns alles zu viel wird

sei du mein Stern der mir die Richtung weist und Trost schenkt

und behüte auch alle die ich liebe

Andrea Schwarz

Herz-Jesu-Fest

So spricht der Herr: Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir;

ich bin gütig und von Herzen demütig. Mt 11, 29ab

SEIN NAME fasst das Geheimnis Seiner Geburt und Seines Todes zusammen;

SEIN HERZ ruft das zweifache Gebot der Liebe zu Gott und dem Nächsten aus;

SEIN BLUT ist das höchste Zeugnis Seines Erlösungswerkes,

das sich geheimnisvoll und wirklich in der Feier der Heiligen Messe erneuert

und dem Leben des Christen Sinn und Ausrichtung gibt.

Papst Johannes XXIII.

Dreifaltigkeitssonntag

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Ehre sei dem einen Gott, der war und der ist und der kommen wird. Offb 1,8

BITTE UM ERKENNTNIS GOTTES

Getreuer, heiliger Gott und Vater, verleihe mir Vernunft, dich zu erkennen; G

efühl, dich zu empfinden; Geist, dich zu verstehen.

Gib mir Eifer, dich zu suchen; Weisheit, dich zu finden; Begierde, dich zu lieben.

Schenke mir ein Herz, das über dich nachsinnt, und Taten, die dich großmachen.

Gib mir Augen, dich zu sehen; Ohren, dich zu hören;

eine Zunge, dich zu verkündigen.

Gewähre mir Geduld, auf dich zu warten, deine heilige Gegenwart,

ein seliges Ende und das ewige Leben.

Aus: Breite deinen Frieden in mir aus

Sonntag des GUTEN HIRTEN

DIE STIMME

Die Unterscheidung der „Stimme“ ist heute wichtiger als je

gegenüber einem zunehmenden Gewirre

von Argumenten und Parolen menschlicher Intelligenz,

die die schlichte Wahrheit des Evangeliums bestreiten oder verdrängen ...

Alles liegt jetzt an der Übereinstimmung mit der Stimme des Hirten.

Sie fordert gegebenenfalls auch den Preis der Flucht

vor der Stimme des Fremde, die Weigerung, ihm zuzuhören.

Also nicht in jedem Fall Dialog.

H. Spaemann (aus dem Schott)

Gründungstag

Österliche Bußzeit

FASTEN-ZEIT - GUTE ZEIT - WOFÜR?

SICH ZEIT NEHMEN, um langsamer und leiser zu leben

in einer gehetzten und vorlauten Welt.

SICH ZEIT NEHMEN, um aufmerksamer und hörfähiger zu werden

im Dauerlärm unseres Alltags.

SICH ZEIT NEHMEN, um wohlwollender und liebevoller mit sich selbst

und seinen Mitmenschen umzugehen.

SICH ZEIT NEHMEN, um nachdenklicher und besonnener zu verarbeiten,

was mir täglich widerfährt.

SICH ZEIT NEHMEN, um geduldiger und nachsichtiger zu werden

mit eigenen und fremden Mängeln und Fehlern.

SICH ZEIT NEHMEN, um geistreicher und phantasievoller

seine Beziehung zu Gott zu gestalten.

SICH ZEIT NEHMEN, um ruhiger und gelassener zu sein

gegenüber so unterschiedlichen Anforderungen.

SICH ZEIT NEHMEN, um bewusster und klarer

die anfallenden Entscheidungen zu treffen.

SICH ZEIT NEHMEN, um einfacher und bescheidener zu leben

in all den übertriebenen Ansprüchen.

FASTEN-ZEIT: Gute Zeit für kleine Schritte, nicht großer Worte.

Paul Weismantel

Tag des geweihten Lebens - Darstellung des Herrn

Seid also Frauen und Männer der COMMUNIO,

seid mutig zugegen, wo es Uneinigkeiten und Spannungen gibt,

und seid ein glaubwürdiges Zeichen der Gegenwart des Geistes,

der den Herzen die Leidenschaft einflößt, damit alle eins seien.

Lebt die Mystik der Begegnung: » die Fähigkeit zu hören,

anderen Menschen zuzuhören. Die Fähigkeit, gemeinsam den Weg zu suchen «.

Und lasst euch dabei erleuchten von der Beziehung der Liebe

zwischen den drei göttlichen Personen,

als Vorbild für alle zwischenmenschlichen Beziehungen.

Zieht euch nicht in euch selbst zurück, bleibt nicht Gefangene eurer Probleme.

Diese lösen sich, wenn ihr hinausgeht, um den anderen zu helfen,

ihre Probleme zu lösen, und um die gute Nachricht zu verkünden.

Ihr werdet das LEBEN finden, wenn ihr das Leben hingebt,

die HOFFNUNG, wenn ihr Hoffnung gebt,

die LIEBE, wenn ihr liebt.

Fragmente aus:

„Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus an Ordensleute“

DAS WÜNSCHEN WIR UNS HEUTE ZUM NEUEN JAHR:

dass uns glücke, was wir beginnen,

dass wir selig sein können in vielen Stunden.

Das wünschen wir uns heute für jeden Tag des neuen Jahres:

dass wir alles tun, um Unglück zu ertragen oder zu wenden.

Das wünschen wir uns heute zum neuen Jahr:

dass Gott uns allen so viel Glückliches schenken möge, wie es gut für uns ist.

Das wünschen wir uns heute für jeden Tag des neuen Jahres:

dass wir einander das Glück gönnen und nicht neiden oder mutwillig zerstören.

Das wünschen wir uns heute zum neuen Jahr:

dass wir Altes hinter uns lassen und bewahren,

Neues wagen und anpacken,

ein gesundes Maß finden Und füreinander zum SEGEN werden.

Text: Paul Weismantel

4. Adventssonntag

HERR, ICH SUCHE DICH

Herr, mach mich wach für immer neue Begegnungen mit dir,

mach mich aufmerksam, sehend und hörend,

damit ich nicht festhalte an meinem Bild von dir

und dich selbst dadurch versäume.

Hilf mir glauben, dass du, der Ewige, mir mitten in der Zeit,

in meiner Gegenwart, nahe sein willst, in den alltäglichen Dingen,

im Werk meiner Hände, in den Menschen, die mir begegnen,

DU MENSCHGEWORDENES WORT, hilf mir, dich zu erkennen.

Verfasser unbekannt

3. Adventssonntag

HIN UND WIEDER

Hin und wieder einhalten, mich orientieren:

Wo stehe ich? Wohin will ich?

Hin und wieder Maß nehmen:

Was ist wichtig in meinem Leben?

Was nimmt zu viel Raum ein? Was zu wenig?

Hin und wieder Feste feiern, Begegnungen:

Freunde einladen, FREUDE geben und empfangen.

Hin und wieder allein sein: Durchatmen.

Zur Ruhe kommen. Ganz ich selbst sein.

Gisela Baltes

2. Adventssonntag

SEHENLERNEN

Nie wirst du die VERHEISSUNG im Abendrot erspüren,

wenn du die alten Gewohnheiten nicht verlässt,

die lieb gewordene Behausung nicht aufbrichst,

dich in deinem eigenen Ich zementierst.

Loslassen musst du

dich öffnen

empfindsam werden

Ausschau halten nach der VERHEISSUNG.

Anette Feigs

1. Adventssonntag

TAG FÜR TAG

eine Tür nach der anderen öffnen.

Meine Türen öffnen. An deine Tür klopfen.

Auf die Suche gehen nach mir, nach dir.

Türen öffnen zu meinen Träumen, meiner Sehnsucht.

Wer bin ich? Was will ich? Wohin gehe ich?

An Türen klopfen. Voller Erwartung.

Wo bist du? Wer bist du? Was willst du von mir?

Tag für Tag Türen öffnen für DICH. Offen werden für DICH.

KOMM. Tritt ein. Ich erwarte DICH.

Gisela Baltes, Meine Wege – deine Wege, Impulstexte zum Kirchenjahr, Kevelaer 2007, S. 18

Christkönigssonntag

„JA, ICH BIN EIN KÖNIG“ (Joh 18,37),

der nichts für sich sucht, sondern euer Heil und Glück will.

Ich kämpfe für euch, indem ich heruntersteige und euch heraushole

aus Verstrickung und Schuld;

indem ich euch diene, die Füße wasche und meinen Kopf für euch hinhalte,

ja mein Leben hingebe.

So ist Er, so lebt Er sein Königsein.

CHRIST-KÖNIG

Ich bin gemeint

Nein, es muss keine Krone aus Gold sein.

Bei der Taufe wurden wir zum König gesalbt – welche Würde!

„Er krönt dich mit BARMHERZIGKEIT, heißt es im Psalm 103.

Wer diese Krone trägt, braucht weder buckeln noch die Nase hochtragen.

Er kann aufrecht stehen, aufrichtig leben.

Wer diese Krone trägt, ist befähigt,

wie Jesus „herunterzusteigen“, zu dienen.

Er kann Glück und Heil, Freude und Hoffnung schenken, Frieden stiften,

Menschen aufrichten und heilen.

WAHRHAFT KÖNIGLICH.

Ich bin sehr dankbar, Menschen zu begegnen, die so leben.

Du auch?

nach einem Text von Sr. Cornelia Böhm

Fest Kreuzerhöhung

Im Zeichen des KREUZES

sind wir uns begegnet.

Im Zeichen des KREUZES haben wir viele intensive Gespräche geführt.

Im Zeichen des KREUZES hörst du meine Fragen und Zweifel.

Im Zeichen des KREUZES nimmst du mich mit meinen Unsicherheiten an.

Im Zeichen des KREUZES stellst du Fragen und Anfragen.

Im Zeichen des KREUZES glaube ich an die Menschlichkeit.

Im Zeichen des KREUZES hoffe ich, dass deine Botschaft siegt.

Im Zeichen des KREUZES begleitest du uns.

Im Zeichen des KREUZES glaube, hoffe und liebe ich.

Im Zeichen des KREUZES führst du mich durch mein Leben.

Im Zeichen des KREUZES führt mein Weg zum Leben.

Im Zeichen des KREUZES gehen wir auseinander.

Im Zeichen des KREUZES leben wir miteinander.

DU GEKREUZIGTER.

Petra Focke / Hermann Josef Lücker

Mariä Geburt & Mariä Namen

EINE VON UNS

Ich suche dich nicht hoch über den Wolken.

Ich suche dich nicht auf Säulen aus Stein.

Ich suche dich nicht in Samt und in Seide.

Ich suche dich nicht in Gold und Brokat.

DU BIST EINE VON UNS MARIA, du bist eine von uns auf unserem Weg.

Du gehst mit uns auf unseren Straßen,

den steinigen Weg in der Spur deines Sohns.

Ich sehe dich an, du einfaches Mädchen. ich sehe dich an, du MUTTER in Not.

Ich sehe dich an voll Schmerzen und Tränen.

Ich sehe dich an, DU GLAUBENDE FRAU. DU BIST EINE VON UNS...

Ich brauche dich hier, hier auf uns'rer Erde.

Ich brauche dich hier, hier ganz nah bei mir.

Ich brauche dich hier als SCHWESTER im Glauben.

Ich brauche dich hier als MUTTER am Weg. DU BIST EINE VON UNS...

Bruder Samuel Schraufstetter

Heiligsprechung von Mutter Teresa am 4. September 2016

Herr, wenn ich hungrig bin, gib mir jemanden, der Nahrung braucht.

Wenn ich Durst habe, schicke mir jemanden, der zu trinken braucht.

Wenn ich friere, schicke mir jemanden, den ich erwärmen kann.

Wenn ich Verdruss habe, gib mir jemanden, damit ich tröste.

Wenn mein Kreuz schwer wird, hilf mir,

dass ich mit einem anderen sein Kreuz trage.

Wenn ich mich arm fühle, führe mich zu jemandem, der wirklich in Not ist.

Wenn ich Zeit habe, gib mir jemanden, dem ich einige Augenblicke helfen kann.

Wenn ich mich gedemütigt fühle, gib, dass ich jemandem begegne, ihn zu loben.

Wenn ich mutlos bin, sende mir jemanden, den ich ermutigen kann.

Wenn ich spüre, dass ich das Verständnis der anderen brauche,

sende mir jemanden, der das meinige braucht.

Wenn ich brauche, dass sich andere um mich kümmern,

sende mir jemanden, um den ich mich kümmern kann.

Wenn ich nur an mich selbst denke,

lenke meine Aufmerksamkeit auf einen anderen Menschen.

Herr, mach uns würdig unsern Brüdern und Schwestern zu dienen,

die überall in der Welt arm und hungrig leben und sterben.

Mutter Teresa

Gruß zum 22. Sonntag im Jahreskreis

Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt,

und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Aus Lk 14,1.7-14

ES WAR EINMAL EIN VEILCHEN

Es war einmal ein Veilchen. Das blühte bescheiden und schön

am Waldesrand und duftete fein. Eines Tages schielte es ins Dorf hinunter.

Da entdeckte es in einem Garten eine herrliche Sonnenblume.

Das ward ihm zur Versuchung.

Es bekam den Größenwahn und wünschte, Sonnenblume zu sein.

Mit solchen Gedanken schlief es ein.

Es träumte: Sein Stiel wuchs riesengroß empor.

Die Blätter entfalteten sich unförmlich.

Der Duft war weiterherum fast unausstehlich.

Die Leute gingen im großen Bogen um es herum,

und zeigten spottend auf das lächerliche Zwitterding.

Das Erwachen war dem Veilchen Erlösung. Ein Tropfen hing an ihm.

Der kam wohl vom Angstschweiß des Traumes.

Am Abend hörte eine alte Frau im Vorbeigehen das Veilchen

sein Nachtgebet flüstern:

Lieber Gott, ich danke dir, dass ich ein Veilchen bin.

Gib mir die Gnade, nie zu wünschen, etwas anderes zu sein.

Johannes Niederer

Gruß zum 21. Sonntag im Jahreskreis

Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen;

denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen,

aber es wird ihnen nicht gelingen.

Lk 13, 22-30

HÄNDE

Herr, wie gut wäre es,

könnte ich eines Tages mit schmutzigen Händen vor dir stehen.

Du würdest zu mir sagen:

„Es war gut. Du hast dich eingemischt.

Du hast angepackt.

Du hast auch Fehler gemacht,

hast verletzt, hast verdorben.

Aber du hast Deine Hände nicht im Schoß versteckt.

Du gibst sie mir gebraucht zurück.“

Bernhard Meuser